Über das Werk

Das Werk Klaus Kütemeiers

Im Zentrum der Arbeiten des Künstlers steht das klassische Thema der Bildhauerkunst, das Menschenbild: die sitzende oder stehende Figur, der Akt, die Gewandfigur, der Torso und das Porträt. Die ägyptische oder archaisch-griechische Plastik war ihm zwar Anregung, aber in erster Linie ging er von der Beobachtung der Wirklichkeit aus, so wie es sein Lehrer Gustav Seitz gelehrt hatte. Das Gesehene - und in Zeichnungen genau Studierte - fügte er in einem unendlich langsamen Läuterungsprozess in eine architektonische Form von strenger Gesetzlichkeit und klarer Ordnung, die die Arbeiten in die Moderne verweist und ihnen doch auch Zeitlosigkeit verleiht. Kütemeiers Figuren erzählen keine Geschichten, sie enthalten keine erzählerischen Details, sondern stehen in großer Selbstverständlichkeit fast unnahbar vor uns.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmte der Streit um Figuration und Abstraktion die Rezeption der Bildhauerkunst. Nach der Pervertierung der Darstellung des Menschen in der Kunst des Nationalsozialismus hatten es die Künstler, die unbeirrt an der gegenständlichen Kunst festhielten, schwer. Wie sein Lehrer Gustav Seitz gehörte Klaus Kütemeier zu jenen, die sich auf ihrem Weg trotz aller Widerstände nicht beirren ließen.

 

Mein Hauptinteresse gilt der menschlichen Figur (und dem Portrait) und innerhalb dieses Gebietes der frei stehenden oder sitzenden Einzelfigur. Bei Figuren regen mich einfache und ruhige Haltungen am meisten an …

Klaus Kütemeier

 

Mein Hauptinteresse gilt der menschlichen Figur (und dem Portrait) und innerhalb dieses Gebietes der frei stehenden oder sitzenden Einzelfigur. Bei Figuren regen mich einfache und ruhige Haltungen am meisten an …

Klaus Kütemeier

In Stein gemeißelt und in Bronze gegossen

Die Steinbildhauerei, die an den Bildhauer ungeheure Ansprüche stellt, wurde das eigentliche künstlerische Gebiet von Klaus Kütemeier. Damit war er unter den zeitgenössischen Künstlern eine Ausnahmeerscheinung. Eine solche Arbeit erfordert ungeheure Geduld, Beharrlichkeit, Präzision und sorgfältige Planung, denn jeder Schlag kann fehlgehen. Oftmals entstanden im Vorfeld der Steinfiguren Werkmodelle in Gips, die auch in Bronze gegossen wurden. Die Bronze war ihm mitunter eine „Probe“, die Steinskulptur dagegen das eigentliche Endergebnis. Sie zeigt keine Spuren mehr der lang währenden handwerklichen Bearbeitung. Die Bronzen dagegen lassen in ihrer lebendigen Oberfläche noch das Modellieren mit der Hand nachvollziehen.

Vor allem die lebensgroßen Figuren in Granit, die heute zum Teil im Skulpturengarten von Schloss Gottorf/Schleswig stehen, zeigen die ungewöhnliche Arbeitsweise des Künstlers, der oft monate- und jahrelang aus einem Stein die gewollte Form herausschlug, weitgehend unter Verzicht auf maschinelle Hilfe. Neben dem extrem harten Granit verwendete der Künstler auch Marmor, Sand-, oder Kalkstein.

Zu den Zeichnungen Klaus Kütemeiers

Jeder Arbeit liegen Vorzeichnungen zugrunde, in der der Bildhauer die Stellung, die Proportion, die Bewegung studiert. In der Regel haben Kütemeiers Zeichnungen keinen autonomen Stellenwert, sie zeigen jedoch, mit welcher Präzision ein Werk am Modell vorbereitet, studiert und in eine architektonische Form transponiert wird. Nur die heitere Welt seiner erfundenen tierähnlichen Wesen hat er auch in eigenständigen kleinformatigen Blättern gestaltet.

Die heitere Welt des Klaus Kütemeier

Dem ernsten, strengen Menschenbild des Bildhauers steht die heitere Welt seiner zeichenhaften und tierähnlichen Figuren gegenüber. Er gestaltet sie in der Zeichnung, der Vollplastik und sehr häufig im Relief. Manches Mal scheint die Assoziation zur ägyptischen Hieroglyphenschrift nahezuliegen, aber Kütemeier schuf sie aus seiner eigenen Gedankenwelt, die von hintergründigem Humor geprägt ist. Aber auch diese Arbeiten, vor allem die Reliefs, weisen in Bögen, Winkeln ein strenges Formgefüge auf, das Kütemeier souverän beherrscht, auch wenn er sich scheinbar lustvoll der Phantasie hingibt.